18/08/2026
Ich bin vieles. Und auch nix.
Frag mich, wer ich bin,
und ich könnte dir vieles sagen.
Ich rede schnell.
Denke schneller.
Habe zehn Ideen,
während die erste noch versucht,
ihren Satz zu Ende zu bringen.
Ich fange vieles an,
bringe manches zu Ende,
vergesse den Rest
und finde ihn drei Monate später wieder
und denke:Oh.
Das war eigentlich ziemlich gut.
Man könnte sagen:
ADHS oder auch nicht Und jetzt?
Was weißt du jetzt über mich?
Eigentlich nix.
Du weißt, wie mein Kopf manchmal arbeitet.
Aber nicht,
wer darin wohnt.
Und vielleicht ist genau das
unser Problem mit diesem
„Wer bist du?“
Wir antworten mit Dingen,
die man von außen sehen kann.
Ich bin chaotisch.
Ich bin ordentlich.
Ich bin laut.
Ich bin leise.
Ich bin dick.
Ich bin dünn.
Ich bin Mutter.
Ich bin dies.
Ich bin das.
Als wäre ein Mensch
eine verdammte Produktbeschreibung.
Farbe: blond.
Eigenschaft: chaotisch.
Funktion: Mutter.
Besonderheit: redet zu schnell.
Fertig.
Nur bin ich manchmal chaotisch
und manchmal sortiere ich Dinge
mit einer Hingabe,
die beinahe besorgniserregend ist.
Ich liebe Menschen
und will manchmal keinen sehen.
Ich will Freiheit
und gleichzeitig einen Ort,
an dem ich bleiben kann.
Ich will zehn Dinge gleichzeitig erleben
und an manchen Tagen
einfach nur Kerzenlicht.
Ich liebe Gefühle.
Also – die guten.
Bei den anderen bin ich noch
in Vertragsverhandlungen.
Ich liebe Herbstluft.
Abendlicht.
Dieses Gefühl,
wenn irgendwo Musik läuft
und für einen Moment
alles nach Leben schmeckt.
Ich bewundere Menschen,
die ihr Chaos leben.
Nicht verwalten.
Nicht optimieren.
Nicht in fünf einfachen Schritten
endlich in den Griff bekommen.
Leben.
Vielleicht ist es genau das,
was mich daran so reizt:
das Unfertige.
Das Ungeplante.
Das, was sich bewegt,
bevor wir einen Namen dafür gefunden haben.
Vielleicht möchte ich deshalb
gar nicht mehr so genau wissen,
wer ich bin.
Denn sobald ich sage:
Ich bin so, muss ich morgen erklären,
warum ich plötzlich anders bin.
Und vielleicht bin ich gar nicht widersprüchlich.
Vielleicht bin ich einfach noch nicht fertig.
Zum Glück. Denn seit wann ist ein Mensch
etwas, das man fertig beschreiben kann?.
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