30/04/2026
Zwei Welten, ein Thema.
Ich bin sehr verblüfft: Darüber, wie deutlich die aktuelle Collection eines der bekanntesten Modehäuser zeigt, worum es uns in unserer Ausstellung „Verstrickt“ geht.
Ein Blazer, mit Fischnetzen überzogen. Das sieht kunstvoll aus, und vielleicht bestehen diese Netze nicht aus Nylon oder Polyamid, sondern aus ethisch angebauter Seide, aber sie verweisen, unter dem Narrativ der Label-Nostalgie, auf etwas, das sich unserer Ansicht nach nicht mehr für unbeschwerte Folklore eignet: Mindestens 10 % des Meeres-Plastiks stammt von Fischernetzen, endlos viele Tiere verenden darin.
Ein Kleid, das eine Meerjungfrau darstellen soll. Es ist mit Tausenden künstlicher Muscheln besetzt. Bestimmt bestehen sie aus einem leicht biologisch abbaubaren Material – das hoffe ich zumindest.
Während eines der weltweit bekanntesten Modehäuser Fischnetze und Muscheln als dekorative Elemente einsetzt, gehen wir den genau entgegengesetzten Weg: Für uns sind diese Materialien kein Spielzeug, sondern Denkanstöße. Insignien der Zerstörung. TrashmaidBerlins „The Last Mermaid“ besteht aus gesammelten Nurdles, dem Grundstoff der Kunststoffindustrie.
In meinem Pullover mit dem sonnigen Farbverlauf sind eingearbeitete Obstnetze als Diagramm der Plastikproduktion lesbar – das ist kein Schmuck, auch wenn die Assoziation mit einem romantischen Sonnenuntergang durchaus beabsichtigt ist.
Dasselbe Thema, zwei Welten.
Und ja, die Chanel-Kollektion sieht viel entspannter aus. Wer denkt bei Fischernetzen nicht lieber an unbeschwerte Tage am Strand von Biarritz als an den ganzen Müll, der vor der Küste treibt. Können wir verstehen. Aber wir wünschen uns auch: Dass die Großen der Branche ihre Macht nutzen, um Verantwortung zu übernehmen. Um zu zeigen, was gerade passiert. Dass sie nicht nur mit den Symbolen der Zerstörung spielen, sondern sie bekämpfen. Das schließt ja nicht aus, großartige Mode zu kreieren. Dafür braucht es nur ein bisschen Kreativität.
Wir freuen uns über eure Gedanken – und laden euch ein, unsere Ausstellung zu besuchen und mit uns ins Gespräch zu kommen.
Bildcredits an Chanel Official und upnextdesigner