31/01/2021
❗Aus gegebenem Anlass❗
"Dann klemm dein Kind doch unter den Arm..."
Immer wieder höre ich, dass Eltern beim Zähneputzen ihrer Kinder gemahnt werden "Durchhaltevermögen und Konsequenz" an den Tag zu legen und so dazu aufgefordert werden, das Weinen des Kindes in dieser Situation zu ignorieren! Was dann häufig passiert ist, dass kleinen Kindern ohne jegliche Rücksichtnahme auf ihre eigenen Grenzen, ihre Würde und Integrität die Zähne geputzt wird.
Oft erlebe ich in meiner Praxis, dass Eltern mit genau diesen Aussagen auch von Ärzten und anderen Fachleuten, wie ErzieherInnen kommen! Aus meiner Sicht ist das Gewalt unter dem Deckmäntelchen der Prävention.
RÜCKENSTÄRKUNG für Eltern!
Lasst euch hier nicht verunsichern! Hier "konsequent" zu sein, heißt rücksichtslos werden zu müssen. Ihr werdet euch in diesem Moment selbst nicht wohl fühlen - ich kenne keine Eltern, die solche Situationen unbelastet erzählen! Folgende Botschaften erfährt das Kind:
• Ich werde in meinen Bedürfnissen nicht wahrgenommen.
• Ich bin es nicht wert, dass achtsam mit mir umgegangen wird.
• Ich werde in meiner Not gar nicht ernst genommen.
• Der Stärke setzt sich durch und darf die Grenzen eines Shwächeren übertreten - auch, wenn er ihm dabei weh tut!
Ist das wirklich unser Ziel? Wollen wir diese Botschaften senden? Wir lieben doch unsere Kinder, wir wollen ihnen nicht wehtun und wir wollen sie auch nicht kränken (und auch nicht, dass sie später auf diese Weise Grenzen von Anderen übertreten!). Wie können wir also unsere Liebe in solchen Situationen auch in liebevolles Handeln übersetzen?
Besser konsistent als konsequent!
Ich empfinde Folgendes als grundlegend: Im Umgang mit Kindern geht es weniger darum, konsequent zu sein, als eher darum, konsistent zu sein. Was meine ich damit? Wenn Eltern um der Konsequenz willen konsequent sind, wird das schnell destruktiv und endet häufig mit Geschrei, Machtkampf und Grenzüberschreitungen. Konstruktiv und für die Kinder wichtig ist, dass sie Erwachsene erleben, deren Wertvorstellungen deckungsgleich mit ihrem Verhalten sind. Eltern also, die in ihrem Denken, Fühlen und in ihren Werten beständig sind und sich auch entsprechend verhalten und nicht widersprüchlich agieren.
Übrigens ist das ein interessanter Selbstversuch: Lasst Euch selbst mal von Eurem Partner die Zähne putzen. Das Zahnfleisch gehört zu den empfindlichsten Stellen in unserem Körper - ja IN unserem Körper. Der Mund ist eine Körperöffnung. Und diese Grenze in dieser Art und Weise zu übertreten ist gewaltsames Eindringen in einen intimen Raum und bringt massive Verletzung auf mehreren Ebenen mit sich.
Also: Lasst euch nicht einreden, ihr müsstet euren Kindern mit Gewalt Zähne putzen, wenn sie nicht wollen - es ist eine Angst in uns, die immer wieder geschürt wird und aus eigener Erfahrung als Mutter und auch als Eltern- und Familienberaterin kann ich sagen: Es geht auch anders.
Auch, wenn es mal etwas dauert oder die Kinder nicht so (schnell) wollen, wie wir! Mitbestimmung und Selbstbestimmung sind hier Zauberwörter, wenn wir die Situation langfristig entkrampfen wollen, können wir eine Menge tun - auch schon bevor es ans Zähneputzen geht. Kinder sind Teamworker. Sie Sie WOLLEN sich mit uns verbinden, mit uns zusammenwirken und tun uns jeden Tag ganz viel zu Gefallen! Wenn Sie aus der Zusammenarbeit aussteigen, dann nur weil sie gekränkt oder überfordert sind. Wir können also an dieser Stelle aus dem Kampf gehen und uns selbst fragen, was eigentlich passiert ist:
Was ist geschehen und warum ist das Kind aus der Kooperation "gefallen"? Was war wann zu viel? Zu schnell, zu laut zu überflutend? Was hat dazu geführt, dass am Abend das Zähneputzen auf einmal "zu viel" war? Es lohnt sich darüber nachzudenken und den Tag und das Miteinander neu zu justieren. Warum?
Dann kann können wir es für den nächsten Tag nochmal anders machen! Neu gestalten.
Natürlich ist uns die Zahngesundheit unserer Kinder langfristig wichtig. Wir können diesen Wert im Konfliktfall für diesen Moment zurück stellen, weil ein anderer wichtiger Wert in den Vordergrund tritt: Das Prinzip wertschätzend und achtsam miteinander umzugehen. Die Botschaften, die Kinde dann empfangen sind folgende:
• Ich bin mit meiner Überforderung (in meiner Not) gesehen.
• Meine Signale und Bedürfnisse werden ernst genommen.
• Ich und meine Gesundheit sind meinen Eltern wichtig.
• Meine Eltern möchten, dass es mir gut geht und achten auf mich
• Ich bin wertvoll und es wert, gehört zu werden!
Weil immer wieder die Frage aufkommt: JA! Teilen ist erlaubt und ausdrücklich erwünscht! Danke an alle, die losgehen und es anders machen🤩
bleibt gesund und in Verbindung,
eure
Katia
❤️