16/03/2025
Geboren 1864, gestorben 1943 – von der Welt vergessen, dem Dasein in einer psychiatrischen Klinik überlassen.
Was war ihre Geschichte?
Sie kam nach Paris, um Kunst zu studieren, zu einer Zeit, als die renommierte École des Beaux-Arts nur Männern zugänglich war. Unbeirrt schloss sie sich Ateliers an, die auch Frauen willkommen hießen. Dort lernte sie den berühmten Bildhauer Auguste Rodin kennen und wurde seine Geliebte. Ihre Beziehung war geprägt von leidenschaftlicher Leidenschaft und gemeinsamer Kunstfertigkeit – sie schufen Seite an Seite, und ihr gemeinsames Genie ist in Werken erhalten, die heute im Rodin-Museum und im Musée d’Orsay ausgestellt sind.
Doch Rodin, der bereits in eine langjährige Beziehung mit einer anderen Frau verstrickt war, verließ Camille schließlich. Während sein Ruf stieg, sank ihrer. Sie wurde verachtet, gemieden und abgewiesen – nicht nur als Geliebte, sondern auch als Künstlerin. Allein, misstrauisch und in Ungnade gefallen, kämpfte sie darum, ihre Werke zu verkaufen.
Zu ihrer Isolation kam noch hinzu, dass ihr Bruder, der berühmte Dichter und Diplomat Paul Claudel, eine entscheidende Rolle bei ihrem Untergang spielte. Camille, die als „zu modern“ und eine Quelle familiärer Schande galt, wurde von ihrer Familie zwangseingewiesen. 30 Jahre lang kämpfte sie darum, die Ungerechtigkeit ihrer Inhaftierung zu erklären, schrieb schmerzerfüllte Briefe an Freunde und Familie und flehte um Freilassung. Ihre Klarheit und ihr Herzschmerz klingen in diesen erhaltenen Schriften nach.
Am 19. Oktober 1943 starb Camille Claudel in einem französischen Krankenhaus an Unterernährung. Keine ihrer Familienangehörigen nahm an ihrer Beerdigung teil, und ihr Leichnam wurde in einem Massengrab bestattet.
Jahrzehnte später hat die Welt endlich ihre Genialität anerkannt. Ihr Vermächtnis wurde wiederhergestellt: Ihre Skulpturen stehen nun stolz neben denen Rodins, und ein Museum in der Nähe von Paris ist ganz ihrem Werk gewidmet.
Camille Claudel ist nicht länger vergessen. Sie wird als die Visionärin geehrt, die sie immer war.